Fahrwege und Arbeitsumgebung für AMR SOTO optimieren
So gestalten Sie Ihre Logistikwege bestmöglich
Business, Roboter, Technology
30. Oktober 2025
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Wer bereits die Beiträge zur Bodenbeschaffenheit, den KLT-Prozessen oder den Quellen und Senken gelesen hat, stellt sich irgendwann die Frage: “Kommt SOTO mit den Fahrwegen und räumlichen Gegebenheiten in unserer Fertigung überhaupt klar?” Mit dieser Fragestellung beschäftigen wir uns in diesem Artikel, denn wie so oft ist die Antwort kein klares ja oder nein, sondern hängt vielmehr von den Gegebenheiten und vor allem einer guten Planung ab:
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In einem Greenfield-Projekt lassen sich Materialfluss und Layout von Beginn an als End-to-end aufsetzen und verknüpft, dass kurze Wege und geradlinige Prozesse entstehen. Damit ist der Grundstein gelegt, dass SOTO seine volle Leistungsfähigkeit entfalten kann.
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Im Brownfield sieht die Realität oft anders aus. Gebäude, Linien und Logistikwege sind historisch gewachsen und nicht immer logisch miteinander verbunden. Fahrwege können verschlungen, Engstellen unvermeidbar sein. Trotzdem ist Automatisierung auch hier meist möglich, sie erfordert lediglich mehr Kreativität und ein engagiertes Planungsteam.
In Folge beleuchten wir ein paar Kernanforderungen, die KLT-Roboter SOTO an Fahrwege und seine direkte Arbeitsumgebung hat.
Praxis-Tipp: Holen Sie schon frühzeitig interne Schlüsselpersonen (Logistik, Produktion, Arbeitssicherheit, IT) und externe Experten an einen Tisch. So erhalten Sie schnell einen Überblick über alle Bausteine und können diese zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzen, bevor sie später teuer oder kompliziert Anpassungen machen müssen.
Fahrweglänge: Optimierte Strecken, große Wirkung
Logistikroboter SOTO transportiert bis zu 24 Kleinladungsträger (KLTs) à 20 kg/KLT gleichzeitig. Damit ersetzt er manuelle Routenzugprozesse zuverlässig. Diese Aufgabe übernimmt er autonom, stellt aus seinen Transportaufträgen die beste Tour zusammen und automatisiert Ihren Materialfluss bis ins Regal. Dafür ist er gemacht. Für den Transport von KLTs – egal ob Voll- oder Leergut. Eine Prämisse sollten Sie in diesem Zusammenhang aber stets im Kopf haben: Je optimierter die Strecke, desto höher die Leistung.
Als Faustregel für SOTO gilt jedoch: Alle Strecken unter 1.000 m/Tour sind in der Regel effizient zu automatisieren. Längere Strecken bewerten wir gemeinsam mit Ihnen projektindividuell. Hierfür gibt es bewährte Lösungen, die sich wunderbar mit den Transportanforderungen auf der letzten Meile verbinden lassen.
Als Best Practice hat sich bewährt:
- Auslagerungsstich des (automatisierten) Lagers möglichst nahe an den Produktionslinien platzieren; bei mehrstöckiger Produktion mit vertikaler Fördertechnik verbunden mit jedem Stockwerk
- Wo möglich bi-direktionale Wege für die Roboter einrichten, um durch eine dynamische Routenplanung Strecken zu verkürzen.
- Wareneingang, Qualitätskontrolle, Umpackprozesse und Einlagerung räumlich bündeln und linear aufbauen, dabei Rampen und Aufzüge möglichst vermeiden (siehe unten)
Praxis-Tipp: Nutzen Sie Betriebsruhen oder Umbauten der Produktion, um immer wieder die Logistik und den Materialfluss zu hinterfragen und Wege zu optimieren.
Mischverkehr: Sicherheit als Basis
Der KLT-Roboter SOTO ist für das Zusammenspiel mit Menschen ausgelegt. Des Weiteren natürlich auch für die Interaktion mit anderen Robotern, sofern sie über digitale Schnittstellen kommunizieren.
Sicherheit als oberstes Gesetz für Logistikroboter SOTO
Sicherheit steht bei SOTO stets an oberster Stelle. All seine Abläufe werden von einem Sicherheitssystem überlagert, welches ihm ermöglicht, seine Fahrt oder Aktion anzupassen, sobald ein Hindernis seinen Fahrweg blockiert.
SOTOs Laserscanner überwachen dafür ein Sicherheitsfeld auf 12 cm Höhe (siehe Abbildung). Wird dieses verletzt, reduziert der Roboter die Geschwindigkeit, umfährt Hindernisse oder stoppt. Sobald der Weg frei ist, setzt er seine Fahrt fort.
Damit SOTO eine ausreichende Sicherheit bieten und gleichzeitig die Transportprozesse schnellstmöglich abwickeln kann, hat SOTO bestimmte Voraussetzungen an Fahrwegbreite und sein Leitsystem. Schauen wir uns das genauer an.
Fahrwegbreite und Kreuzungen: Raum schaffen für Bewegung und Schnelligkeit
Die Anforderungen an die Fahrwege ergeben sich aus den Abmessungen von SOTO selbst, seinem Wendekreis und den Vorgaben für Ausweichmanöver.
Damit SOTO seine Aufgabe im Idealfall sogar mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 1.5 m/s erledigen kann – das entspricht in etwa der Geschwindigkeit beim zügigen Spazierengehen – werfen wir einen kurzen Blick auf die Fahrweg-Anforderungen und zu bedenkenden Regeln.
Im einfachsten Szenario, der Implementierung von SOTO bzw. SOTO-Flotten parallel zu einem manuell gesteuerten bzw. reinen Personenverkehr, sind die Anforderungen recht einfach:
- Fahrwegbreite: mind. 1,65 m Breite bei einspurigem Verkehr, 3,3 m für zweispurig. Bitte beachten Sie: Hier ist die “nutzbare Fahrwegbreite” entscheidend, also alles, was SOTO in seiner ganzen Höhe und Breite befahren kann. Bereiche, die durch Regale, Maschinen oder Sicherheitsabstände blockiert sind, müssen abgezogen werden. Auch die lichte Höhe kann hier zu einem begrenzenden Faktor werden, wenn Lüftungsrohre oder dergleichen eine Durchfahrt für SOTO verhindern.
Höchstgeschwindigkeit: ab 2,51 m Breite bei einspurigem Verkehr, 4,45 m für zweispurig. - Vorteil zweispuriger Fahrwege: gute Ausweichmöglichkeiten, damit erhöhte Leistungsfähigkeit.
- Kreuzungen: Platz einplanen, damit SOTO sicher abbiegen und manövrieren kann.
- Fahrwege und Verkehrsregeln: Der eigentliche, für SOTO befahrbare Fahrweg wird als Fahrgraph im SOTO-eigenen Leitsystems definiert. Gleiches gilt für Verkehrsregeln wie Ausweichzonen, Vorfahrtsregeln, Einbahnstraßen oder Langsamfahr-Zonen. Das Beste: Diese Vorgaben können Sie jederzeit selbst und mit wenigen Klicks anpassen, damit Sie immer flexibel bleiben. Über den MFM kommunizieren alle SOTO-Roboter untereinander und sorgen für einen reibungslosen Ablauf.
Wenn Sie den Einsatz einer hybriden Roboter-Flotte planen – also neben AMR SOTO auch andere AMRs oder geführte Logistik/Montage-AGVs im Einsatz haben – wird das Ganze komplexer. In diesem Fall können Sie den Roboter-Verkehr auf zwei Arten orchestrieren: entweder Sie trennen ihn durch komplett getrennte Fahrwege, oder setzen einen VDA 5050-konformen Master-Controller ein, der die Kommunikation ermöglicht:
- 3rd Party Master-Controller: Diese VDA 5050-konformen übergreifenden Leitsysteme ermöglichen die Kommunikation zwischen den AMRs unterschiedlicher Hersteller. Fahrgraphen und Verkehrsregeln werden dann im Master Controller gepflegt. (vgl. Artikel: Kommunikationsstandard VDA 5050)
- Komplett getrennte Fahrwege, mind. zweispurig: Gerade für die weniger flexible AGVs, die auf Markierungen angewiesen sind, ist dies ein guter Weg. Auch, wenn Sie eine sehr begrenzte Anzahl unterschiedlicher AMRs im Einsatz haben, ist diese Option auf jeden Fall eine Prüfung wert. Als Ergebnis pflegen Sie Fahrgraphen und Regeln in den jeweils eigenen Leitsystemen der AMRs, Kreuzungspunkte müssen dann klassisch über Ampelsignale gelöst werden, welche von beiden Systemen beachtet werden müssen.
Praxis Tipp: Einfache Kreuzungspunkte bei geringer Verkehrsdichte können auch über einfache I/O Regelungen (Ampelsteuerung) gemanagt werden. So lässt sich SOTO gemeinsam mit Robotern anderer Hersteller, ohne einen 3rd Party Master-Controller implementieren zu müssen.
Lade- und Parkzonen: Kleinen Flächen, große Wirkung
Der Logistikroboter SOTO nutzt induktives Laden. Seine leistungsstarke Lithium-Ionen-Batterie hält bis zu acht Stunden und ist für das Zwischenladen ausgelegt. Mit einem Ladeverhältnis von 1 Minute Laden = 5 Minuten Betriebszeit, kann SOTO während Warte- oder Ladephasen kurze Zwischenladungen für “In Process Charging” gnutzen, um nahezu 24/7 einsatzbereit zu sein. Jeder SOTO hat seine dedizierte Ladezone, die zudem als Parkposition genutzt werden kann. Sie erlaubt dem Roboter zu jeder Zeit eine klare Lokalisierung und Referenzierung im Raum.
Parkpositionen können zusätzlich definiert und eingerichtet werden, um SOTO ohne aktive Fahraufträge an einen spezifischen Platz zu parken, der möglichst nah am nächsten erwartetem Einsatzort liegt.
Lade- und etwaige Parkpositionen sind im SOTO- Leitsystem hinterlegt und können dort jederzeit einfach und v.a. eigenständig angepasst werden.
Wichtig für die Planung:
- Lade- und Parkzonen sind stets freizuhalten und visuell für die Kollegen zu markieren.
- Ladezeiten optimieren: Mit Zwischenladungen in Wartepausen kann SOTO quasi 24/7 zur Verfügung stehen.
- Ob zusätzliche Parkzonen vorteilhaft sind, wird individuell je nach Prozess und Arbeitsumgebung definiert.
Praxis Tipp: Gerade an einem AKL-Auslagerungsstich an einem AKL steht SOTO durchaus auch mal länger, während er sein Backpack befüllt. Nutzen Sie diese Zeit für “In Process Charging” und lassen Sie prüfen, ob es Sinn macht, dort eine zusätzliche Lademöglichkeit zu integrieren.
Besondere Herausforderungen: Tore, Rampen, Aufzüge & Co
In vielen Werken sind Fahrwege nicht ideale, geradlinige Logistikwege. Tore, Rampen oder Aufzüge bzw. die Wegeführung an sich können zu Stolpersteinen werden, Sicherheitssysteme müssen angebunden werden. Diese Gegebenheiten sind immer hoch individuell zu betrachten und werden daher in einem gemeinsamen, initialen Prozessworkshop betrachtet und besprochen. Folgende Faktoren gilt es aber auf jeden Fall zu beachten:
- Outdoorfahrten: Outdoorfahrten und Fahrten in Nässe sind für SOTO nichts. (vgl. Artikel: Bodenqualität für AMRs)
- Türen & Tore: Die Mindesthöhe für Durchbrüche beträgt 2,28 m; SOTO kann über I/O Anbindungen, im besten Fall mit MQTT, Türen und Tore ansteuern.
- Rampen: Aufgrund seines Eigen- und Zuladungsgewichtes sowie der hohen Sicherheitsstandards empfehlen wir Rampen komplett zu meiden. Einzelfallprüfung für Rampen mit einer Steigung von <5 %. Sollte dafür eine Freigabe erfolgen, sollte die Rampe auf jeden Fall separate Fahrspuren für Auf-/Abwärtsfahrten haben, die zudem physisch getrennt sind.
- Aufzüge: Der Transport von AMRs über Aufzüge sollte vermieden werden. Aufzüge erzeugen Bottlenecks und lange Wartezeiten für die AMRs. Das gilt nicht nur für SOTO, sondern ist ein generelles Thema. Ein Mischverkehr mit dem Menschen ist nicht möglich, weil ständig Hindernisse erkannt würden. Wenn sich die Einbindung eines Aufzugs nicht vermeiden lässt, kann SOTO nach Prüfung und Freigabe Lastenaufzüge mit dedizierter Anbindung und Nutzungsregeln befahren.
- Brandschutz: Eine Integration ins Brandmeldekonzept über eine I/O-Schnittstelle zum SOTO-Leitsystem lässt sich einrichten, sobald Sie das gewünschte Verhalten definiert haben. Das kann z.B. bedeuten, dass SOTO schon bei einem Voralarm alle Aufträge pausiert und eine bestimmte Parkposition ansteuert.
Praxis-Tipp: Setzen Sie auf vertikale Fördertechnik / Warenheber und dezentral Lagerstiche, um Rampen und Aufzüge zu vermeiden. So kann SOTO im jeweiligen Stockwerk direkt die Verteilung übernehmen, was den Durchsatz des Gesamtsystems erhöht.
Fahrweghygiene: Ordnung ist die halbe Miete
Last but not least, spielt die Fahrweghygiene die fast wichtigste Rolle für den reibungslosen Materialfluss. Denn: Ein ordentlicher 1,65 m breiter Fahrweg ist schneller als ein unordentlicher 2 m breiter Weg, wobei bereits kleine Hindernisse große Auswirkungen haben können.
Damit SOTO also zuverlässig arbeiten kann, braucht er freie Wege:
- 12-cm-Regel: Hindernisse unterhalb der 12 cm, auf denen die LIDAR-Sensoren das Sicherheitsfeld aufbauen, erkennt SOTO nicht. Für umgefallene Besen, die in den Gang ragenden Zinken des Hubwagens etc. ist SOTO “blind”. Solche Stolperfallen sind unbedingt zu vermeiden.
- Quellen und Senken freihalten: Der falsch geparkte Wagen, die “nur kurz” abgestellten Kisten blockieren Übergabepunkte und stören den Ablauf. Das ist zu vermeiden. Die Zugänglichkeit der Übergaben muss stets gewährleistet sein, idealerweise entlang des Hauptlogistikwegs, der “gelben Linie” (Vgl. Artikel: Quellen / Senken)
- Sauberkeit: Staub, Nässe oder herumliegende Klein(st)teile beeinträchtigen Sensorik und Fahrwerk. Eine Werksumgebung ist sicher kein Reinraum (auch wenn SOTO hier für die Klasse ISO 7 zertifiziert ist). Dennoch ist eine saubere Umgebung dem reibungslosen Ablauf zuträglich (vergl. auch Artikel zur Bodenqualität für AMRs).
Praxis Tipp: Fahrweghygiene ist kein reines Roboter-Thema, sondern verbessert auch die Arbeitssicherheit für alle Mitarbeitenden.
Fazit
Die Gestaltung der Fahrwege ist mehr als eine Detailfrage. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der gesamten Logistikplanung. Sie entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg der Automatisierung Ihrer Fertigung und Intralogistik mit intelligenter Robotik.
Wer Fahrweglänge, Mischverkehr, Fahrwegbreite, Lade-/Parkzonen, bauliche Besonderheiten und Fahrweghygiene berücksichtigt, schafft die Basis für eine skalierbare und robuste automatisierte Intralogistik.
So wird SOTO nicht nur zum Transportmittel, sondern zu einem echten Effizienztreiber, der Ihre Produktion einen großen Schritt zukunftsfähiger macht.